Wells Fargo: Stellenabbau wegen angeschlagener Reputation?

ERM
-
21. September 2018
-
Von Aaron Back und Josh Beckerman

Die US-Bank Wells Fargo & Co. wird im Rahmen ihrer "laufenden Transformation" Arbeitsplätze abbauen. Die Mitarbeiterzahl soll innerhalb der nächsten drei Jahre um etwa 5 bis 10 Prozent sinken, sowohl durch Entlassungen als auch durch normale Fluktuation. Das bedeutet, dass bis zu 26.000 Mitarbeiter die Bank verlassen müssen.

Wells Fargo will damit Branchentrends und Veränderungen im Kundenverhalten wie den verstärkten Einsatz digitaler Self-Service-Technologie berücksichtigen. "Diese Arbeit umfasst die Stärkung des Risikomanagements, die Vereinfachung der Abläufe, die Nutzung der digitalen Automatisierung, die Veräußerung von Nicht-Kerngeschäften und die weitere Entwicklung zu einem effizienteren Unternehmen", sagte CEO Tim Sloan im Rahmen eines regelmäßig stattfindenden Mitarbeitermeetings. 

Man kann sich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass der Abbau auch den nur verhaltenen Wachstumsaussichten geschuldet ist, die sich die Bank nach ihren zahlreichen Verfehlungen auch ein Stück weit selbst zuzuschreiben hat. Erst vergangene Woche sagte der Finanzvorstand, dass die Kredite an Geschäftskunden im Vergleich zum zweiten Quartal rückläufig sind. Erstmals räumte er auch ein, dass die angeschlagene Reputation damit zu tun haben könnte.

Der Ertrag pro Mitarbeiter lag bei Wells Fargo im vergangenen Jahr laut S&P Capital IQ in etwa auf dem Niveau der direkten Konkurrenten. Mit 327.000 US-Dollar pro Mitarbeiter lag die Kennziffer unter den entsprechenden Werten bei Bank of America und JP Morgan, welche lukrative Investmentbanking-Geschäfte unterhalten, aber höher als bei Citigroup und den großen regionalen Banken PNC Financial Services und US Bancorp. Das zeigt, dass der Stellenabbau nicht unbedingt damit zu tun hat, dass die Bank abspecken müsste. Es sieht eher danach aus, als dass die Aussichten über die nächsten paar Jahre mau sind und dass die Bank die hohen Kosten aus der Reorganisation nach dem Vertriebsskandal 2016 ausgleichen muss.

 Schlechte Aussichten für das dritte Quartal

Zunehmend scheint es so, als tickten die Uhren bei Wells Fargo anders als bei den großen Konkurrenten, die nach schmerzhaften Restrukturierungsrunden wieder auf einen starken Wachstumspfad eingeschwenkt sind. Seit 2016 gab es von keiner großen US-Bank mehr einen massiven Stellenabbau. Damals kündigte Bank of America den Abbau von 9.000 Stellen an.

Das Timing der Ankündigung von Wells Fargo - gepaart mit der Warnung zu den Krediten vergangener Woche - ist ein schlechtes Zeichen für die Ergebnisse des dritten Quartals. Die Aktie ist leicht schwächer, während die Aktien der Rivalen zulegen. Das signalisiert, dass die Anleger ein nicht sonderlich beeindruckendes, aber auch kein richtig schlechtes Quartal erwarten. Über das Quartal hinaus beunruhigt am meisten, dass es bei Wells Fargo keinen klaren Kurs zurück Richtung Wachstum gibt. (DJN) 

 

Bildquelle: Mediaphotos | iStockphoto.com