Monoliner bergen systemische Risiken

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15. Mai 2008

Erhebliches Gefährdungspotenzial geht nach Ansicht der Finanzaufsicht von Versicherern aus, die das Ausfallrisiko von Anleihen und Bonds abdecken. Aufseher fordern deshalb, die aufsichtlichen Kapitalanforderungen für Monoliner zu verschärfen.

BONN, 15.5.2008. Erhebliches Gefährdungspotenzial geht nach Ansicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) von Monoline-Versicherungsgesellschaften aus, die das Ausfallrisiko von Anleihen und Bonds versichern. Das Geschäftsmodell der ?Veredelung? von Anleihen zum Zwecke eines besseren Ratings, das in den USA entwickelt wurde, ist in Deutschland und in Europa kaum bekannt. Die größten ?Monoliner? haben ihren Sitz daher auch in den USA, vornehmlich im Bundesstaat New York.

Aufseher fordern derzeit, die aufsichtlichen Kapitalanforderungen für Monoliner zu verschärfen. "Das Eigenkapital dieser Gesellschaften muss in einer vernünftigen Relation zu den Risiken stehen, die sie eingehen ? und die sind in den vergangenen Jahren immens gestiegen", so BaFin-Chef Jochen Sanio. Die Relation von versicherten Anleihen zum vorhandenen Eigenkapital lag teilweise bei über 150:1! Das mag gut gehen, solange risikoarme Staats- und Kommunalanleihen versichert werden. Doch wie sieht es mit versicherten strukturierten Kreditprodukten aus, die Ende 2006 einen Gesamtbetrag von 824 Milliarden US-Dollar erreicht hatten?

"Die Solvenz der Monoliner ist heute für die Stabilität der Finanzmärkte von elementarer Bedeutung", weiß Sanio. Fiele einer der großen Monoliner aus, würde das großes Unheil anrichten. Positionen, die Marktteilnehmer im Versicherungswege gehedgt haben, wären auf einmal wieder offen. Es könnten unüberschaubare Kettenreaktionen ausgelöst werden. Deshalb sei es wichtig, dass Monoliner in ausreichendem Maße rekapitalisiert würden, auch wenn dies zurzeit extrem teuer ist, so Sanio in Bonn. Das Gesamtvolumen der Kapitalzuführungen sollte nicht nur die aufgelaufenen Verluste der Monoliner kompensieren; für eine nachhaltige Stabilisierung der Gesellschaften sollte die Kapitalbasis noch weiter gestärkt werden ? und dies dauerhaft.