Ende der Subprime-Krise in Sicht

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15. Mai 2008
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Von Peter Herkenhoff

Nach Berechnungen der Ratingagentur Fitch haben Banken rund um den Globus bereits mehr als 80 % ihres Engagements in nachrangig gesicherte US-Hypothekenkredite abgeschrieben. Je nach Kalkulationsmethode schwanken die Verluste zwischen 400 Mrd und 550 Mrd. USD.

KÖLN, 15.5.2008. Nach Berechnungen der Ratingagentur Fitch haben Banken rund um den Globus bereits mehr als 80 % ihres Engagements in nachrangig gesicherte US-Hypothekenkredite abgeschrieben. Je nach Kalkulationsmethode schwanken die Verluste zwischen 400 Mrd. und 550 Mrd. USD, schreibt die Ratingagentur in einem Sonderbericht. In den vergangenen drei Jahren habe der Subprime-Markt Kredite mit einem Volumen von 1,4 Bill. USD hervorgebracht. Rund die Hälfte (200 Mrd. bis 275 Mrd. USD) der Verluste würden von Banken gehalten, der Rest verteile sich auf Bürgen, Versicherungen, Vermögensverwalter und Hedgefonds. Synthetische Wohnungsbaukredite (RMBS) und ABS-CDOs machen nach Berechnungen von Fitch mit einem Anteil von 83 % den Großteil der Bankenverluste aus. Da einige Kreditinstitute ihr Engagement bei kapitalstarken Gegenparteien abgesichert haben, könnten diese Zahlen überschätzt sein, sagte Gerry Rawcliffe, Gechäftsführer bei der Financial Institutions Group. Für alle anderen Institutionen jedoch habe die Mark-to-market-Bewertung dazu geführt, dass die Eigenkapitalquoten unter "akuten Stress" gesetzt worden seien.  

Nach Ansicht des scheidenden Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank AG, Klaus-Peter Müller, ist in der Subprime-Krise das Schlimmste vorüber. "Ich glaube, dass die Subprime-Krise im engeren Sinne seit März überstanden ist", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Die US-Eigenheimpreise hätten sich im Großen und Ganzen stabilisiert. Die Frage sei nun, ob die US-Wirtschaft in eine Rezession abrutscht, so Müller. Generell gelte, dass das Bankgeschäft transparent sein müsse, sonst fehle das Vertrauen. Müller, der zugleich Präsident des Bundesverbandes der Banken ist, forderte die Kreditinstitute auf, sich künftig nicht mehr nur auf das Rating von Agenturen zu verlassen. "In der Subprime-Krise hat sich herausgestellt, dass die Ratings für diese speziellen Papiere unzureichend waren", so Müller. "Wenn wir ein Geschäft nicht mehr selbst überprüfen können, sollten wir uns darin nicht mehr betätigen. Das heißt, wir müssen zu den Regeln des guten alten Bankgeschäfts zurückkehren." Die US-Eigenheimpreise hätten sich im Großen und Ganzen stabilisiert. Die Frage sei nun, ob die US-Wirtschaft in eine Rezession abrutscht, so Müller. Generell gelte, dass das Bankgeschäft transparent sein müsse, sonst fehle das Vertrauen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) rechnet hingegen damit, dass die Finanzmarktkrise noch eine ganze Weile anhalten wird. Jedoch gebe es keine Anzeichen für eine Kreditklemme in Deutschland, sagte Steinbrück am Mittwoch beim Treffen der EU-Finanzminister (Ecofin). "Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass uns die Krise noch das ganze Jahr 2008 beschäftigen wird", erklärte der Finanzminister. Wichtig sei jedoch, dass es keine Kreditverknappung für die deutschen Unternehmen gebe, insbesondere nicht für kleine und mittlere Betriebe.