Der schwierige Kampf der Banken gegen schmutziges Geld

ERM
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08. Oktober 2018
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Von Paul J. Davies

Es sieht so aus, als sei alle paar Monate eine andere Bank in einen milliardenschweren Geldwäscheskandal verwickelt. Der jüngste Fall betrifft die Danske Bank, die offenbar mit schier unglaublicher Dreistigkeit 230 Mrd. US-Dollar an verdächtigen Geldbewegungen über ihre kleine Niederlassung fließen ließ. Die Banken zahlen ihre Strafe, versprechen Besserung, und der Skandal ist normalerweise vergessen.

Anleger sollten jedoch nicht den Fehler machen, die langfristigen Auswirkungen solcher Affären zu unterschätzen. Beim Kampf von Regierungen gegen eine ganze Reihe von Straftaten sind Banken mittlerweile zum Dreh- und Angelpunkt der Ermittlungen geworden. In Zusammenhang mit gesetzlichen Regulierungen infolge der Finanzmarktkrise wächst der Druck auf die Institute, faule Geschäfte von Kunden zu melden. Das verursacht nicht nur Kosten, es legt auch dem Gewinnstreben der Banker Zügel an. Die Folge sind sinkende Renditen.

Banken sind in der Pflicht

Die Zunahme der Skandale hat ihre Wurzeln in der Globalisierung der Finanzdienstleistungen seit den 1990er-Jahren und der Entscheidung der Politik, Banken in stärkere Verantwortung bei der Kontrolle krimineller und terrorverdächtiger Geldflüsse zu nehmen. Die Banken dürfen sich nicht beschweren: Viele Skandale wären erst gar nicht entstanden, hätten sie sich mehr darum gekümmert, wie es um die Prozesse und die Einstellung ihres Personals an Standorten fern ihrer Zentralen bestellt ist. Auch wäre alles nicht so schlimm geworden, hätten sie bei der Auswahl ihrer Kunden mehr Vorsicht walten lassen.

Vielleicht sind die Banken auch zu schnell gewachsen. Seit Mitte der 1990er-Jahre stieg das Volumen grenzüberschreitender Guthaben und Verbindlichkeiten in hochentwickelten Volkswirtschaften von durchschnittlich 130 Prozent des gemeinsamen Bruttoninlandsprodukts auf mehr als 570 Prozent im Jahr 2017. Das hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ermittelt. Hauptsächlich Banken aus Westeuropa und den USA hatten diese Entwicklung beschleunigt durch die Übernahme von Instituten in neuen Märkten und Schwellenländern. Einerseits half diese Expansion den Banken nach der Tech-Blase und später nach der Finanzmarktkrise, Erträge und Gewinne zu generieren. Andererseits führte diese Strategie hin zu weniger entwickelten und weniger transparenten Märkten, wo Regierungen und das organisierte Verbrechen großen Einfluss auf die Wirtschaft haben. Die Banken unterschätzten lange Zeit das Risiko aus Korruption und Geldwäsche.

Es existiert keine Statistik über den Zusammenhang zwischen der Zunahme zwielichtiger Transaktionen und der Globalisierung der Finanzdienstleistungen. Geldwäscher erstellen nun mal keine Steuererklärung. Tatsache aber bleibt: Die Banken stehen mit in der Verantwortung.

Danske als frappierendes Beispiel

Vor 1986 galt Geldwäsche in den USA nicht einmal als Verbrechen. Der ganz große Einschnitt kam im Jahr 2001 mit dem Patriot Act als Antwort auf die Terroranschläge vom 11. September, und durch die dritte Europäische Anti-Geldwäscherichtlinie von 2005. Von nun an standen Banken verstärkt in der Pflicht, verdächtige Transaktionen und dubiose Kunden zu melden. Für Banker, die Kunden gewinnen und das Transaktionsvolumen steigern wollen, ist das ein Problem. Sie sind Unternehmer. Sie machen Abschlüsse und werden dafür bezahlt. 

Die Danske Bank ist das vielleicht beste Beispiel: Enorme Geldbewegungen flossen offenbar über eine kleine ausländische Niederlassung. Viele der Kunden waren nicht einmal Bürger des Landes, und trotzdem erregte das angeblich keinen Argwohn. Auch anderen Banken wurde die allzu große Freiheit von Mitarbeitern oder Geschäftsbereichen zum Verhängnis. Man denke an HSBC und den Geldwäscheskandal in Mexiko, an die Deutsche Bank und den Schwarzgeldskandal in Russland oder an Goldman Sachs' Geschäfte mit korrupten Managern eines Regierungsfonds in Malaysia.

Banken müssen vorsichtiger werden. In der gleichen Woche, als die Ausmaße des Danske Bank-Skandals ans Licht kamen, wurde die niederländische ING wegen Geldwäsche zur Zahlung von 775 Mio. Euro verpflichtet, und Credit Suisse handelte sich einen Rüffel wegen Mängeln beim Risikomanagement ein.

Um die Einstellung von Bankern zu ändern, braucht es mehr als hartnäckige Ermittlungen und Strafen. Viele Banken haben inzwischen ihr Management zentralisiert, haben ihr Kundenmonitoring und die Kontrolle des eigenen Personals verbessert und ihre Risikobereitschaft gesenkt. Aber auch daraus können Probleme resultieren. Wenn sich Banker zu sehr gegängelt fühlen, gehen sie einfach zu einer anderen Bank, die ihnen das Leben leichter macht. Für global operierende Institute ist ein Mittelweg nur schwer zu finden. (DJN) 

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