Commerzbank rechnet mit Lockerung der Geldpolitik

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15. Februar 2019
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Hans Bentzien

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird bei der Sitzung am 7. März nach Einschätzung der Commerzbank seine Geldpolitik lockern. Chefvolkswirt Jörg Krämer geht davon aus, dass die EZB die zu erwartende deutliche Senkung der Wachstumsprognose für das laufende Jahr dazu nutzen wird, ihre Zins-Guidance zu ändern und ein neues sehr langfristiges Refinanzierungsgeschäft (LTRO) für Banken anzukündigen.

„Wir denken, dass die EZB ihr Versprechen, die Zinsen über den Sommer 2019 unverändert zu lassen, auf den Winter 2019/20 verlängern wird", sagte Krämer bei einer Telefonkonferenz. 2019 werde es keine Zinsanhebung geben. Außerdemsei zu erwarten, dass die EZB einen neuen Langfristtender für Banken bereitstellen werde. „Wir erwarten eine Laufzeit von drei Jahren“, sagte Krämer.

Der Commerzbank-Chefvolkswirt verwies zur Begründung auf die Prognose von 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum 2019, die der volkswirtschaftliche Stab im Dezember 2018 abgegeben habe und die schon damals „viel zu optimistisch“ gewesen sei. Selbst die Commerzbank-Prognose von 1,4 Prozent Wachstum sei noch mit deutlichen Abwärtsrisiken versehen.

Commerzbank will Wachstumsprognose für Deutschland überprüfen

Krämer sagte, die Commerzbank werde ihre Wachstumsprognose für Deutschland von gegenwärtig 1,2 Prozent turnusmäßig in zwei Wochen überprüfen. Laut Krämer zeigt der Rezessionsradar der Commerzbank gegenwärtig für Deutschland eine 20-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Rezession.

Im Unterschied zu früheren Episoden werde die deutsche Wirtschaft aber von einer soliden Binnennachfrage gestützt, wie die Indikatoren für den Bau und den Dienstleistungssektor zeigten, sagte Krämer. Der Commerzbank-Chefvolkswirt baut zudem darauf, dass die konjunkturstützenden Maßnahmen der chinesischen Regierung „irgendwann im zweiten Quartal“ auch in der deutschen Exportwirtschaft zu spüren sein werde. (DJN)

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